28.09.2010 | Uschi Grandel
Askapena Logo

Sieben Mitglieder der baskischen Organisation Askapena (Befreiung) wurden heute morgen verhaftet. Die spanische Polizei führte Razzien in Bizkaia (span: Biscaya, Teil der CAV), Araba (span: Alava, Teil der CAV) und Nafarroa (span: Navarra) unter dem Vorwurf der “Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation (ETA)” durch.

Askapena arbeitet seit Jahrzehnten im Bereich der internationalen Solidarität. Aktive Unterstützung leistet sie u.a. in Lateinamerika. Gleichzeitig wirbt Askapena für Solidarität mit dem Baskenland. In Zusammenarbeit mit Askapena führen Freundeskreise weltweit jährlich eine Solidaritätswoche für das Baskenland durch. Auch wir haben uns die letzten beiden Jahre an dieser Solidaritätswoche beteiligt.

Askapena ist eine der wenigen Organisationen im Umfeld der linken baskischen Pro-Unabhängigkeitsbewegung (Abertzale Linke), die nicht verboten ist. Der spanischen Regierung ist ihre Arbeit jedoch ein Dorn im Auge. In der spanischen Presse gab es in den vergangenen Jahren mehrere Kampagnen mit dem Versuch, Askapena als internationalen Arm der ETA dazustellen und damit Polizeimassnahmen zu legitimieren.

Bei den Verhafteten handelt es sich um Walter Wendelin, Gabi Basañez, Unai Vázquez, Itxaso Lekuona, Rubén Sánchez, David Soto und Aritz Ganboa. Sie alle sind im Baskenland bekannt für ihr Engagement im internationalen Bereich, für die baskische Sprache, in jugendbewegungen und sozialen Bewegungen und im künstlerischen Umfeld. All ihre Aktivitäten waren stets völlig offen und öffentlich. Walter Wendelin war bereits im März 2010 in die Schlagzeilen geraten, als er völlig unerwartet in Venezuela verhaftet und nach Spanien abgeschoben wurde. Siehe Info Baskenland, 31.3.2010: Walter Wendelin in Venezuela verhaftet.

Es ist Besorgnis erregend, dass die spanische Regierung auf die Friedenssignale aus dem Baskenland mit Ablehnung und verstärkter Repression …

28.09.2010 | Ingo Niebel, Junge Welt vom 28.9.2010

ETA ist zu einem Waffenstillstand bereit. 30 Organisationen legen Weg zur Verhandlungslösung fest

Die Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) ist bereit, einen »unbefristeten und verifizierbaren Waffenstillstand« zu verkünden und »auch noch weiter zu gehen«. Das sagten zwei ihrer Vertreter in einem Interview, das die linke baskische Tageszeitung Gara am Sonntag veröffentlichte. Einen Tag zuvor hatte die verbotene baskische Linkspartei Batasuna (Einheit) gemeinsam mit 30 weiteren Parteien und Organisationen die ETA in der Erklärung von Gernika (span.: Guernica) erneut dazu aufgerufen. Darüber hinaus richteten sie weitgehendere Forderungen an die Regierung in Madrid, zu denen unter anderem eine Amnestie der 760 politischen Gefangenen und 2000 Flüchtlingen zählte.

Die Erklärung stellt einen Fortschritt in den Bemühungen der illegalisierten linken Unabhängigkeitsbewegung dar, einen zukünftigen Friedensprozeß auf der Basis einer breiten Massenmobilisierung zu erreichen. Bisher gestalteten Batasuna und die mit ihr kooperierende sozialdemokratische Eusko Alkartasuna (EA, Baskische Solidarität) den Prozeß allein. Nun werden sie von der Batasuna-Abspaltung Aralar, dem baskischen Landesverband der gesamtspanischen Izquierda Unida (IU, Vereinigte Linke) und dessen ausgeschertem Flügel Alternatiba unterstützt. Sie unterzeichneten das Dokument mit.

Daß sich die ETA dieser Entwicklung keineswegs verschließt, wird in dem Gara-Interview deutlich. Darin stellen die beiden Vertreter klar: »ETA will auf dem sich weiter vertiefenden Lösungsweg voranschreiten, bis sich im Baskenland eine echte demokratische Lage abzeichnet.«. Es ist die dritte Äußerung dieser Art innerhalb eines Monats. Vor einer Woche hatte die Organisation bereits erklärt, sie sei bereit, mit den internationalen Mediatoren um den südafrikanischen Anwalt Brian Currin über tiefergehende Maßnahmen zu sprechen.

Madrid hat erneut ablehnend reagiert. Die Regierung von Premier José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) besteht weiterhin auf das bedingungslose Ende des bewaffneten Kampfes. Das fordert auch die …

28.09.2010 | Ingo Niebel

Madrid läßt baskische Internationalisten verhaften

Am frühen Dienstagmorgen haben spanische Polizisten sieben baskische Internationalisten unter dem Verdacht festgenommen, sie gehörten der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) ab. Die Verhafteten gehören der internationalistischen Organisation Askapena (Befreiung) an, die im Rahmen ihrer Arbeit für ein unabhängiges und sozialistisches Baskenland eintritt. Unter den Festgenommenen befindet sich auch der deutsche Internationalist Walther Wendelin.

Der Zeitpunkt der Polizeioperation ist kein Zufall. Sie erfolgt einerseits 48 Stunden, nachdem die ETA zum dritten Mal in Folge ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Verhandlungslösung unter internationaler Vermittlung signalisiert hat. Dass es diesmal Askapena getroffen hat, wundert nicht, da sie zu den wenigen noch legalen Strukturen der weitgehend verbotenen linken Unabhängigkeitsbewegung zählt. Wie schon in vorangegangenen Fällen war die spanische Presse vorab eingeweiht. So berichtete die regierungsnahe Zeitung El País als erstes Medium in ihrer Online-Ausgabe von den Verhaftungen. Dabei schürte sie die Eindruck, wonach die Aktivisten dem “Außenministerium der ETA” angehört hätten. Im Titel bezeichnete das Blatt sie sogar als “Etarras”. Polizeikreise begründen die Aktion mit dem Hinweis, dass Askapena Teil eines Organigramms sei, das man in den Unterlagen des 2008 festgenommenen ETA-Chefs Francisco Javier López Peña, “Thierry”, gefunden haben will. Die Vehemenz in der Berichterstattung geht einher mit der Verweigerungshaltung, die die Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) gegenüber den Friedensbemühungen des linken baskischen Parteienspektrums an den Tag legt. Bisher hat die Exekutive jede Bewegung in diese Richtung mit repressiven Maßnahmen beantwortet. Vor einer Woche ließ sie mehrere “Polit-Kommissare der ETA” festnehmen. Davor wurden zwei Massendemonstrationen verboten.

Andererseits erklärt sich das Vorgehen der Polizei auch vor der Tatsache, dass am heutigen Mittwoch die beiden gesamtspanischen Gewerkschaften

28.09.2010 | Euskal Herriaren Lagunak - Freundinnen und Freunde des Baskenlands
Askapena und EHL mit Rand

Mit Entsetzen haben wir heute morgen von der Verhaftung von sieben politischen Aktivistinnen und Aktivisten der baskischen Organisation Askapena erfahren.

Askapena arbeitet seit Jahrzehnten im Bereich der internationalen Solidarität. Aktive Unterstützung leistet sie u.a. in Lateinamerika. Gleichzeitig wirbt Askapena für Solidarität mit dem Baskenland. Auch wir arbeiten mit Askapena zusammen, zum Beispiel im Rahmen einer Solidaritätswoche, die Askapena weltweit jährlich für das Baskenland organisiert.

Die Verhafteten sind im Baskenland hochangesehene politische Aktivistinnen und Aktivisten, die öffentlich und transparent arbeiten. Ihnen und ihren Familien schicken wir solidarische Grüße. Wir fordern ihre sofortige Freilassung! Die Verhafteten wurden inzwischen nach Madrid gebracht und befinden sich immer noch in Incommunicado-Haft. Wir haben deshalb Sorge, dass sie in dieser Isolationshaft misshandelt werden, wie viele vor ihnen.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Kampagnen spanischer Medien mit dem Versuch, Askapena als internationalen Arm der ETA dazustellen und damit Polizeimassnahmen zu legitimieren. Die guten internationalen Kontakte Askapenas sind der spanischen Regierung schon lange ein Ärgernis, weil dadurch der internationale Blick auf das Baskenland gelenkt wird. Wir sehen die Polizeirazzia als zynischen Versuch, internationale Kontakte zum Baskenland zu kappen und durch massive Repression die immer lauter werdende Forderung der baskischen Bevölkerung nach demokratischen Verhältnissen und einem Friedensprozess zu ersticken.

Wir senden solidarische Grüße an all diejenigen im Baskenland, die in den letzten Wochen und Monaten so konsequent für einen Weg zum Frieden eingetreten sind. Es wird Zeit, dass die spanische Regierung merkt, dass ihre Menschenrechtsverletzungen nicht hingenommen werden, nicht im Baskenland und auch …

Europäischer Gerichtshof verurteilt Madrid 28.09.2010

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat Spanien zur Zahlung von 20.000 Euro Schadenersatz an einen Basken verurteilt, weil die spanische Justiz Foltervorwürfen nicht nachgegangen ist. Der 48-Jährige war im Mai 2002 als mutmaßliches ETA-Mitglied verhaftet worden und während der Incommunicado-Haft von der Guardia Civil gefoltert worden. Die spanische Justiz ging diesen Vorwürfen jedoch nicht nach, da es angeblich schwierig sei die mutmaßlichen Folterer zu ermitteln.
Dieses Argument ließ der Straßburger Gerichtshof jedoch nicht gelten. Die zum fraglichen Zeitpunkt anwesenden Mitglieder der Guardia Civil hätten “mit einer einfachen Nachfrage” identifiziert werden können, hieß es in dem Urteil.

Anmerkung: In den letzten 30 Jahren gab es nach Verhaftungen im Baskenland etwa 7000 Anzeigen wegen Folter unter vergleichbaren Umständen, fast keiner der Vorwürfe wurde von den Richtern des Sondergerichts Audiencia Nacional untersucht.

83 Jahre Gefängnis 14.09.2010

Der ehemalige Militärchef der ETA ist am Montag zu 83 Jahren Haft verurteilt worden. Der Nationale Gerichtshof sprach Gorka Palacios (35) schuldig, im Juli 2001 bei einem Bombenanschlag in Madrid einen Polizisten getötet zu haben. Der Sprengsatz war vor einem Gebäude des Justizministeriums deponiert worden.

Neun Verhaftungen im Baskenland, Kantabrien und Zaragoza 14.09.2010

Gut eine Woche nach der Bekanntgabe eines Waffenstillstand durch die ETA hat der spanische Staat in seiner gewohnten Art geantwortet. Am Dienstagmorgen um 4.00 Uhr wurden neun Personen im Baskenland, Kantabrien und Zaragoza verhaftet. Den Verhafteten wird vorgeworfen die Führung der Jugendorganisation Ekin zu sein.
Bei der Aktion wurden 30 Wohnungen und Bars durchsucht. Beschlagnahmt wurden u.a. “Beweismittel” wie eine Kopie des Bildes Gernika von Pablo Picasso in einer Bar in Donostia.

Angehörige befürchten Folter an 9 Verhafteten 16.09.2010

In einer Pressekonferenz äußerten Angehörige ihre Befürchtung, dass die kürzlich in einer groß angelegten Polizei- und Geheimdienstaktion verhafteten 9 BaskInnen in der Isolationshaft gefoltert werden könnten. Nach Verhaftungen, die durch den Richter des Madrider Sondergerichtshofs Fernando Grande-Marlaska angeordnet werden, sei es bereits in der Vergangenheit zu zahlreichen Folterungen in der Incommunicado-Haft gekommen. FreundInnen und Angehörige sowie Mitglieder der baskischen Antifolter Organisation TAT riefen die Öffentlichkeit zu Protest auf, um unter anderem mögliche Folterversuche zu verhindern und um umgehinderten Zugang von AnwältInnen zu gewährleisten. Unter den Festgenommen, denen die Mitgliedschaft in EKIN als angebliche “Vorfeldorganisation” von ETA vorgeworfen wird, sind unter anderem LehrerInnen baskischer Sprachschulen und VertreterInnen der feministischen Bewegung. Laut Meldungen konservativer Presse war nach Anordnungen des besagten Richters eine umfangreiche Geheimdienstaktion vorangegangen. So seien bereits seit einem angeblichen Wieder-Gründungstreffen von EKIN im Winter 2009 Agenten des spanischen Geheimdiensts wie auch der spanischen Polizei in den Versammlungen anwesend gewesen, über 50 Treffen hinweg seien die jetzt Festgenommenen überwacht worden. Politiker der baskischen Linken bezeichneten die Festnahme-Aktion als einen Sabotageversuch der neuen politischen Phase, die sich derzeit eröffne.

Folter als Anwort auf Waffenruhe? 18.09.2010

Die neun am 14. September verhafteten baskischen politischen Aktivistinnen und Aktivisten haben dem Untersuchungsrichter des spanischen Sondergerichts Audiencia Nacional brutale Folter während der 4-tägigen Verhöre (in Incommunicado-Haft) durch die spanische Guardia Civil angezeigt. Erzwungene Erstickungsanfälle, Schläge, Drohungen und Nacktheit waren die Methoden. Der Richter ignorierte die Anzeige und ordnete Gefängnis für alle neun Aktivisten an. Die Verhaftungen werden als Angriff auf den Versuch gesehen, den Konflikt demokratisch und friedlich zu lösen. Sie sind eine zynische Antwort auf ETA's Ankündigung einer Waffenruhe am 5. September.
Siehe auch den Bericht von amnesty international zu Incommunicado Haft und Folter (Sept. 2009): Aus dem Dunkeln ans Licht – höchste Zeit, Incommunicado-Haft zu beenden

Baskische Anti-Folter-Organisation fordert Schritte gegen Folter 24.09.2010

Nach neuen schweren Foltervorwürfen an die spanische Guardia Civil und einen Richter des spanischen Sondergerichts Audiencia Nacional durch neun im September 2010 verhaftete politische Aktivisten richtet die baskische Anti-Folter-Organisation TAT (Torturaren Aurkako Taldea ) einen Appell an Parteien, Organisationen und Gewerkschaften, konkrete Schritte zu unternehmen, damit in Zukunft niemand mehr Folter erleiden muss. TAT fordert ein offizielles Eingeständnis, dass Folter existiert, ihr sofortiges Ende und Schritte zur Rehabilitation der etwa 7000 Folteropfer der letzten 30 Jahre. Wie amnesty international fordert TAT ein Ende der sogenannten Incommunicado-Isolationshaft, die Folter ermöglicht und deckt. Siehe hierzu auch den ai-Bericht vom Herbst 2009 “Aus dem Dunkeln ans Licht” und den Artikel vom Juni 2010 “Polizeidokument beweist Existenz illegaler Verhöre”

Gedenkfeier auf Friedhof von Ertzaintza aufgelöst 27.09.2010

Ein Sondereinsatzkommando der Ertzaintza hat auf dem Friedhof in Zarautz die Gedenkfeier für Jon Paredes “Txiki” aufgelöst. Txiki Paredes war eines der letzten 5 Opfer des Franquismus, die am 27. September 1975 hingerichtet wurden. Der 27.September wird seitdem als Tag der Erinnerung an die Opfer der Faschismus, nicht nur im Baskenland, begangen. Bereits im vergangenen Jahr hatten schwerbewaffnete Polizisten auf Anordnung eines Madrider Gerichts die Gedenkfeier aufgelöst und dabei die baskische Fahne und die Fahne der spanischen Republik beschlagnahmt.
Eine Gedenkdemonstration die heute Abend in Eibar stattfinden sollte wurde vom baskischen Innenministerium verboten.