800 Basken demonstrieren in Brüssel 31.05.2010

Trotz stundenlanger Kontrollen durch die Guardia Civil und der belgischen Polizei haben am Samstag mehr als 800 Basken vor dem Europaparlament in Brüssel demonstriert. Die Demonstration stand unter dem Motto: “Freedom for the Basque Country. Civil and political rights for the basque youth” .

Aufruf zur demonstration Irunea 22 Mai 2010

Hundert Organisationen aus Politik, der Gewerkschaft, sowie dem sozialen und kulturellen Bereich rufen für nächsten Samstag zu einer Demonstration gegen Repression in Iruñea (span. Pamplona) auf. Der Protest richtet sich gegen willkürliche Verhaftungen, gegen Folter und die berüchtigte Incommunicado-Haft, einer der Voraussetzungen für Folter während der Untersuchungshaft. Die aufrufenden Organisationen fordern Bürgerrechte und das Recht, alle politischen Projekte auf demokratische und friedliche Weise verfolgen zu können.

“Mit der Demonstration am Samstag fordern wir eine Ende der Verletzung von Menschenrechten, von Bürgerrechten und von politischen Rechten, insbesondere für die baskische Jugend,” erklärt Josu Esparza von der Bewegung Pro-Amnistía.

Im Falle baskischer Jugendlicher zeigt die Statistik das Ausmass an Unterdrückung: seit dem 19. Januar 2006, dem Tag an dem das spanische oberste Gericht die baskischen Jugendorganisationen Jarrai-Haika-Segi zu terroristischen Vereinigungen erklärte, wurde jede Woche ein Jugendlicher oder eine Jugendliche für ihre politischen oder sozialen Aktivitäten inhaftiert, jede zweite Woche wurde Folter angezeigt, alle zehn Tage wurde ein jugendlicher Aktivist oder eine Aktivistin für diese Tätigkeiten ins Gefängnis gebracht.

Vertreter der verschiedenen Gruppen, die zu der Demonstration aufrufen, beteiligen sich an der Pressekonferenz. Auch Familienangehörige betroffener Jugendlicher sind vertreten. Die lange Liste der Unterstützerinnen und Unterstützer enthält unter anderen die politischen Organisationen abertzale Linke, EA, Aralar, die Gewerkschaften LAB, ELA, EHNE, Friedensgruppen wie Lokarri, die baskische Gruppe für das Erinnern und die Aufklärung der Franco-Verbrechen Ahaztuak, Jugendorganisationen …

Spanischer Innenminister verkündet erneut Verhaftung des ETA-Chefs 20.05.2010

Die Gendarmerie hat heute morgen mit Unterstützung der Guardia Civil in Baiona und Urruña fünf angebliche ETA-Mitglieder im französischen Baskenland verhaftet. Laut Angaben des spanischen Inneminsteriums soll unter den Festgenommen der Chef und der Stellvertreter der ETA sein. Es wäre somit das sechste Mal in zwei Jahren das der ETA-Chef verhaftet worden sei. Zuletzt wurde Ende Februar 2010 der Chef verhaftet. Die baskische Linke betont, dass Repression der falsche Weg sei und die Lösung des Konflikts auf politischem Wege erfolgen müsse.

19.05.2010 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 19.5.2010)

Spaniens Rechte verlangt öffentliches Dementi wegen angeblicher ETA-Kontakte

Spaniens rechte Opposition wittert Morgenluft und setzt die sozialdemokratische Regierung von Premier José Luis Rodríguez (PSOE) unter Druck: Dazu dienen Gerüchte über Geheimverhandlungen mit der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit). Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba und die Autonome Baskische Regierung dementierten am Montag entsprechende Medienberichte. Das öffentliche Dementi hatte die postfranquistische Volkspartei (PP) gefordert und damit gedroht, den Regierungspakt mit Zapateros Sozialistischer Arbeiterpartei im Baskenland aufzukündigen.

Die Vorlage für den PP-Angriff lieferte am Montag die rechte Tageszeitung El Mundo. In einem Bericht hieß esunter Berufung auf nicht näher genannte ETA-Dokumente, daß es einen Kommuniktionskanal – die sogenannte »Via Txusito« – zwischen der Organisation und dem Chef des baskischen PSOE-Landesverbandes Jesús Eguiguren existiere. Der Politiker hatte 2005 maßgeblich den Waffenstillstand der ETA (2006) mit eingefädelt. Die PP-Generalsekretärin Dolores de Cospedal forderte nach Bekanntwerden der Meldung von der Regierung ein »öffentliches Dementi«, sonst sei der Pakt mit der PSOE hinfällig. Rubalcaba gehorchte, verstieg sich aber in einer schwierigen Wortwahl. Die baskische Regionalregierung von Patxi López (PSOE) legte nach und erklärte in einem Kommuniqué, wonach es mit der ETA und ihrem Umfeld »nur einen einzigen offenen Weg« gebe, nämlich jener, »der die Terroristen und ihre Helfer ins Gefängnis bringt«. Bereits vor einigen Wochen hatte ein EU-Parlamentarier der PP für Aufregung gesorgt, als er von Geheimverhandlungen sprach.

Das Thema ist politisch brisant, weil die Minderheitsregierung der PSOE im Baskenland von den Stimmen der Postfranquisten abhängt. Diese stimmten dem Regierungspakt nur unter der Bedingung zu, daß es niemals wieder Verhandlungen mit der ETA gäbe. Zuletzt hatte die spanische Exekutive 2006/2007 unter internationaler …

17.05.2010 | Ralf Streck, Telepolis vom 16.5.2010

Garzon wurde von der rechtsextremen Falange angeklagt, weil er Massengräber öffnen lassen wollte, in denen die Faschisten Gegner verscharrt hatten

Der bekannteste und gleichzeitig umstrittenste spanische Richter wurde am Freitag vom Dienst suspendiert. Der 54-jährige Baltasar Garzón musste nach der einstimmigen Entscheidung des Kontrollrats für Justizgewalt (CGPJ) noch am Freitag sein Büro am Nationalen Gerichtshof räumen. Die Entscheidung war abzusehen, nachdem der Oberste Gerichtshof den Weg frei gemacht hatte, um den Richter wegen Rechtsbeugung auf die Anklagebank zu setzen. In dieser Woche hat der Richter, der in zwei weiteren Fällen gegen Garzón ermittelt, Anklage erhoben und damit drohen dem Ermittlungsrichter bis zu 20 Jahre Verbot der Berufsausübung. Eigentlich blieb dem Kontrollrat juristisch keine andere Möglichkeit. Ein Richter kann nicht weiter arbeiten, der sich wegen Rechtsbeugung vor Gericht verantworten muss.

Trotzdem ist es ein Skandal, doch er liegt auf einer anderen Ebene, als er zumeist international verortet wird. Einige Zeitungen, wie New York Times hatten gegen das Vorgehen gegen Garzón sogar mit Leitartikeln protestiert. Dabei ist, rein juristisch betrachtet, an dem Vorgang nichts auszusetzen. Denn nachdem aus dem geplanten Gesetz der sozialistischen Regierung zur “Wiederherstellung der historischen Erinnerung” ein verwässertes “Gesetz zur Anerkennung und Ausweitung der Rechte der Opfer des Bürgerkriegs und der Diktatur” wurde, hatte Garzón nie eine juristische Handhabe für sein Vorgehen.

Deshalb müsste sich die Kritik, die Hunderte am FReitag auch auf mit einer spontanen Demonstration vor dem Gerichtshof zum Ausdruck brachten, sich eigentlich gegen die Sozialisten (PSOE) richten. Von 1982 bis 1996 an der Regierung ließen sie zunächst die Opfer des Franquismus völlig im Regen stehen. Nach dem erneuten Wahlsieg 2004 begann eine zaghafte Aufarbeitung der dunklen Jahrzehnte. Doch auf …

Suspendierung des spanischen Richters Balthasar Garzón 16.05.2010

Am Freitag, den 14. Mai 2010, wurde Balthasar Garzón, Richter des spanischen Sondergerichts Audiencia Nacional, vom Dienst suspendiert. Nicht wegen Missbrauchs der Justiz, weil er in seiner Rolle als Untersuchungsrichter dieses Sondergerichts seit vielen Jahren in den spanisch-baskischen Konflikt eingreift und dabei Grundrechte massiv verletzt.

Suspendiert wurde er auch nicht, weil er Folter zulässt und die Täter vor Verfolgung schützt. Nicht wegen der massiven Kritik der UNO und von Amnesty International an einem Sondergericht, das mit seiner Gründung und dem Wirken seiner Richter in der Nachfolge der Franco-Justiz steht. Suspendiert wurde er wegen seiner Ermittlungen zu den ungesühnten Massenmorden des Franco-Regimes. In diesem Fall ist er Opfer, im anderen Täter.

Siehe hierzu:

Stellungnahme spanischer & baskischer MenschenrechtsaktivistInnen (19.4.2010): Das Paradoxon des spanischen Richters Garzón

Ingo Niebel (16.4.2010): Aufregung um Baltasar Garzón

siehe auch: “Hier wird ein Täter geehrt” – offener Brief gegen die Verleihung eines Menschenrechtspreises an Garzón

Guardia Civil verhaftet Jugendlichen 12.05.2010

Die Guardia Civil hat gestern mit Unterstützung der Ertzaintza in Ituren einen Jugendlichen verhaftet. Ihm wird vorgeworfen im September 2008 in Donostia einen Bus angezündet zu haben. Der Jugendliche befindet sich in Incommunicado-Haft.

Demonstration verboten 08.05.2010

Das baskische Innenministerium hat eine für morgen geplante Demonstration in Bilbao gegen Repression und für die Verteidigung aller politischen Projekte verboten. In der Begründung heißt es, die Demonstration sei von Personen und Gruppen angemeldet, welche die selben Positionen vertreten wie Gruppen die illegalisiert wurden.
Die Polizei wurden angewiesen entsprechende Maßnahmen zur Durchsetzung des Verbots zu ergreifen.

Vier Verhaftungen in Lapurdi 07.05.2010

Die französische Polizei hat gestern vier Jugendliche in Hendaia verhaftet. Die Verhaftungen stehen in Zusammenhang mit den Festnahmen am 24. November 2009 als 34 Jugendliche von der Guardia Civil und Policia Nacional verhaftet wurden. Alle Jugednliche waren aktiv in der baskischen Unabhängigkeitsbewegung tätig. Siehe auch
Die Zahl der politischen Verhaftungen im Baskenland stieg somit auf 95 in diesem Jahr.

Itsasoaren alaba

Bericht von einer Filmvorführung in Andalusien, April 2010

La hija de mar, Cineforum en Andalucia, abril 2010: descripción en español debajo

Haize, die Tochter des Meeres, beteiligt uns an der Nachforschung über ihre eigene Geschichte. Nach und nach fügt sie das Leben ihres Vaters Mikel Goikoetxea, “Txapela”, —einem baskischen Flüchtling, der von den spanischen Todesschwadronen, GAL, unter der sozialdemokratischen Regierung von Felipe González 1983 ermordet wurde—, durch Gespräche mit Menschen, die ihn kannten zusammen.

Mit diesem Film dokumentieren die Protagonisten, der Regisseur Josu Martinez und seine Mitarbeiter, das Schicksal, dem tausende von BaskInnen ausgesetzt sind, weil sie sich für ihre nationale und soziale Befreiung einsetzen. Der schmutzige Krieg, die Hexenjagd auf die baskische Linke, bis hin zur Inhaftierung baskischer Bürger wegen “illegaler Ideen” sind keineswegs Vergangenheit, sondern bestimmen heute den Alltag im spanischen Staat.

Die Tochter des Meeres ist ein audiovisuelles Beispiel dafür, wie Vergangenheit und Gegenwart trotz gezielter Entstellungen, Lügen und ihrem Verschweigen in den offiziellen Medien in kollektiver Arbeit aufgedeckt, erlebt und erzählt werden können.

Diese Art Geschichts-und Gegenwartswerkstatt fand im April in Sevilla, Málaga und Puerto Real statt, in Anwesenheit von Txema Uriarte, der die Koordination und Produktion mitgetragen hat, und uns den Prozess der Entstehung, Realisierung und Verbreitung dieser zutiefst bewegenden Erfahrung in Filmsprache vermitteln konnte.

Wir empfehlen dieses Erlebnis weiter.


Haize, la hija del mar nos involucra en la investigación de su propia historia, recomponiendo poco a poco la vida de su padre Mikel Goikoetxea, “Txapela”, – un refugiado vasco, asesinado por los escuadrones de la muerte españoles en 1983, bajo el gobierno socialdemócrata de …

04.05.2010 | Ingo Niebel, Junge Welt vom 3.5.2010

Eine halbe Million Katalanen votieren für die Unabhängigkeit

Alle Welt redet vom konfliktreichen Baskenland, aber tatsächlich sind es die Katalanen, die dem spanischen Staat zur Zeit die größten Probleme bereiten. Dazu beigetragen hat der sozialdemokratische Regionalpräsident der autonomen Regierung Kataloniens, José Montilla (PSC), mit zwei harschen Forderungen (Foto, AP: “Der katalanische Regionalpräsident Montilla fordert die Zentralregierung heraus”).

Zum einen verlangt der Sozialdemokrat, das spanische Verfassungsgericht müsse erklären, es sei nicht zuständig, über die Verfassungsmäßigkeit des neuen katalanischen Autonomiestatuts zu entscheiden. Ende April waren die Richter zum fünften Mal in Folge daran gescheitert, ein gemeinsames Urteil zu fällen. Der Streit entzündet sich an der Frage, ob Spanien ein Nationalstaat, bestehend aus der spanischen Nation, ist oder ein multinationales Gemeinwesen, wie die Katalanen in ihrem vom Parlament und per Referendum angenommenen Autonomiestatut behaupten. Ein Ende der Verfassungskrise ist nicht absehbar, weil die postfranquistisch und sozialdemokratisch ausgerichteten Richter auf ihren Positionen beharren. Deshalb fordert Montilla zum anderen, daß Spaniens höchstes Gericht neu besetzt wird. Dabei unterstützt ihn der christdemokratische Oppositionsführer und Vorsitzende der nationalbürgerlichen Convergència i Unió (CiU, Zusammenschluß und Einheit), Artur Más. Spaniens Premier und Parteifreund Montillas, José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE), lehnt das ab.

Der Schulterschluß zwischen dem Sozial- und dem Christdemokraten erfolgte unmittelbar vor der Befragung von 1,2 Millionen Katalanen über ihre Haltung zur Unabhängigkeit von Spanien am letzten Sonntag im April. Da das Resultat rechtlich nicht verbindlich war, schritten nur knapp 20 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne: 92 Prozent votierten für die Bildung eines eigenen Staates, fünf Prozent dagegen. Die Beteiligung und das Abstimmungsergebnis entsprechen zwei früheren Befragungen in anderen Regionen Kataloniens.

Die Tendenzen in Spaniens reichster Region gehen einher mit ähnlichen Bestrebungen im Baskenland. Madrid hat …

Video mit deutschen Untertiteln 03.05.2010

Zum Video “Arnaldo Otegi: Gegenwart und Zukunft des Baskenlands: wir sind nicht hier, um Widerstand zu leisten, sondern um zu gewinnen!” (November 2009) gibt es jetzt deutsche Untertitel. Ansehen unter >>

Lagun armatua 01.05.2010

Raul Zelik's Roman “Der bewaffnete Freund” ist bei Txalaparta auf baskisch erschienen. Grund genug, die deutsche Version des Buches in Erinnerung zu rufen. Siehe Mediathek / Bücher