Verhaftungen in Hernani 04.08.2010

Die Ertzaintza hat gestern zwei mutmaßliche Mitglieder der ETA in der baskischen Kleinstadt Hernani festgenommen. Laut Angaben der Polizei sollen sie 2003 den Chef der Stadtpolizei, Joseba Pagazaurtundua, erschossen haben.
Am Abend demonstrierten in Hernani mehrere hundert Menschen gegen die Verhaftungen.

Angebliches ETA-Mitgied wieder aus Haft entlassen 18.08.2010

Am vergangen Samstag nahm die spanische Polizei zwei per Haftbefehl gesuchte ETA-Mitglieder fest. Die Beiden – ein Mann und eine Frau – sollen sich auf der Flucht befunden haben. Ihnen wird vorgeworfen für die ETA Informationen beschafft und neue Mitglieder angeworben zu haben. Nur 36 Stunden nach dem medienwirksamen Fahndungserfolg wurde die Frau wieder aus der Haft entlassen.

Zahlreiche Demonstrationen 18.08.2010

Am vergangenen Wochenende kam es wieder zu zahlreichen Demonstrationen im Baskenland. In Donostia-San Sebastian gingen mehrere tausend Menschen für ein Selbstbestimmungsrecht und die Rechte der politischen Gefangenen auf die Straße.
In Gasteiz demonstrierten mehr als 2000 Menschen dagegen, daß zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder eine spanische Basketballmannschaft im Baskenland spielen soll.

Schweiz: Solidarität mit inhaftierten baskischen Jugendaktivisten 23.08.2010

Am 13. August 2010 wurde Ion Telleria von Frankreich an die spanische Justiz ausgeliefert und kam in das Gefängnis Soto Real in Madrid. Nach ersten Einschätzungen kann der ehemalige Redakteur von Radio Info7 bei einem Prozess mit bis zu 6 Jahren Gefängnisstrafe rechnen, wegen des Vorwurfs “Mitgliedschaft” in einer “verbotenen Organisation”.
Nach der Repressionswelle im November 2009 gegen die baskische sozialistische Jugendorganisation SEGI flüchtete Ion ins Exil (französisches Baskenland). Dort wurde er später unter Hausarrest gestellt. Am 13. August 2010 wurde seinem Auslieferungsantrag stattgegeben.
Mit öffentlichen Stellungnahmen und der Forderung nach Freilassung haben sich nun AktivistInnen aus der Schweiz mit Ion solidarisiert. Ion war am 1. Mai 2009 in der Schweiz als Vertreter der baskischen Jugendbewegung aufgetreten, wie auch bei einer Veranstaltung am 2. Mai.

Spanisches Sondergericht verbietet Gefangenenempfang in Katalonien 24.08.2010

Während eines traditionellen Festes am 21. August 2010 im Stadtteil Gràcia in Barcelona wollten Aktivsten die nach neun Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassene Laura Riera begrüßen. Doch das spanische Sondergericht in Madrid verbot den Akt. Ein Richter des Sondergerichts begründete das Verbot damit, dass mit einer öffentlichen Mobilisierung zum Empfang der entlassenen katalanischen Gefangenen “für den Terrorismus” geworben werde. Weil angeblich weiterhin im Internet mobilisiert wurde, besetzte die katalanische Regionalpolizei – die Mossos d'Esquadra – den Platz und verhaftete sogar den Sprecher des Komitee der Festveranstalter, welcher gerade eine Erklärung zur Absage des öffentlichen Empfangs verlesen wollte.
Eine anschließende Protestdemonstration für Meinungsfreiheit, politische und zivile Rechte und für die Auflösung des spanischen Sondergerichts wurde mit brutalem Schlagstockeinsatz aufgelöst, was die Kinder eines in der Nähe befindlichen Kinderfests entsetzt mitansehen mussten. Zahlreiche Menschen wurden durch die Straßen gejagt und anschließend besetzte die Polizei den Stadtteil.

Laura Riera, eine Aktivistin der Hausbesetzerbewegung in der 28 Kilometer von Barcelona entfernten Stadt Terrassa sowie der linken Gewerkschaft CGT, war 2001 im Alter von 21 Jahren verhaftet und wegen angeblicher Unterstützung der baskischen ETA verurteilt worden.
(Quellen: junge Welt & Indymedia Barcelona)

Gefangenendemos bei Fiesta in Bilbao verboten 27.08.2010

Das Madrider Sondergericht “Audiencia Nacional” (AN) hat alle Demos für die Freiheit der baskischen politischen Gefangenen während der Fiesta in Bilbao verboten. Insbesondere die Ehrung von entlassenen Gefangenen würden laut AN eine Werbung für die baskische Untergrundorganisation ETA darstellen. Trotz des Verbots und Angriffe der Polizei hatten sich in den vergangenen Tagen hunderte Menschen innerhalb der Fiesta zusammengefunden, um für das Recht auf freie Meinungsäußerung und für die Gefangenen zu demonstrieren.

In Belgien festgenommender Baske bittet um politisches Asyl 27.08.2010

Luis María Zengotitabengoa, ein Baske der vor kurzem in Belgien wegen angeblicher ETA-Zugehörigkeit festgenommen wurde und im belgischen Gefängnis in Brügge einsitzt, hat politisches Asyl in Belgien beantragt. Spanien hat die Ausführung des europäischen Haftbefehls – eine Auslieferung an Spanien – beantragt.
Ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft äußerte sich überrascht darüber, daß “ein Bürger aus einem Land wie Spanien” um Asyl bittet. Seit es den “europäischen Haftbefehl” gebe, habe es noch keinen solchen Fall gegeben. Aus dem belgischen Innenministerium war zu vernehmen, daß eine Entscheidung darüber Monate brauchen könne. Beim Bundesgericht in Belgien legte der Anwalt Paul Bekaert Widerspruch gegen die Auslieferung ein, da der Haftbefehl von Spanien unvollständig sei. Außerdem habe sich der Baske legal in Belgien aufgehalten und negiere, Kämpfer der ETA zu sein. Das Verfahren geht nun in die nächste Instanz.

Uruguay: 2000 auf Gedenkdemo für getötete Basken 27.08.2010

Am 24. August jährte sich die “Demonstration von Filtro” in Montevideo zum 16. mal. 1994 wurden beim sog. “Massaker am Krankenhaus von Filtro” zwei an der Demo beteiligten Basken von Sicherheitskräften getötet, es gab zahlreiche Schwerverletze. Armee und Polizei waren eingesetzt. Damals gab es eine größere Protestdemonstration gegen die Auslieferung von 13 Basken nach Spanien. Nach einem Hungerstreik wurden 9 in das Krankenhaus eingeliefert.
Auf der diesjährigen Demonstration, bei der sich 2000 Menschen beteiligten, war eine Delegation der baskischen Solidaritätsorganisation Askapena anwesend, Angehörige der damals getöteten forderten erneut Aufklärung und Gerechtigkeit. Auch GewerkschafterInnen haben zur Gedenkdemo aufgerufen. Das Netzwerk der FreundInnen des Baskenlands von Uruguay (E.H. Lagunak Uruguay) betonte die Notwendigkeit der Solidarität mit dem politischen Kampf der BaskInnen um Unabhängikeit. Laut einer Zeitungsmeldung aus Uruguay sei es nur zu kleineren Zwischenfällen gekommen, als auf der Demostrecke Vermummte symbolisch das Gebäude des Generalkommandos der Armee mit verschiedenen Gegenständen bewarfen.

E.H. Lagunak Uruguay

Untersuchungen zum Auftreten von ETA bei Jon Anza Ehrung dauern an 07.09.2010

Gestern wurde ein Sprecher der baskischen Organisation Askapena auf Grund eines Antrags der Staatsanwaltschaft von Paris zum Kommisariat in Bayonne vorgeladen. Weil überraschenderweise drei Personen im Namen der ETA bei der Ehrung des getöteten ehemaligen Gefangenenaktivisten Jon Anza am 24. Juli in Ziburu auftraten und eine Erklärung verlasen, wolle die Antiterror-Sektion von Paris mit Vorladungen und Verhören den Fall untersuchen. Der vorgeladene Askapena-Vertreter nutzte das Verhör um seinerseits Fragen zu stellen zu den bislang nicht völlig aufgeklärten Umständen des Todes von Jon Anza. Das Kollektiv der Angehörigen und Freunde von Jon Anza werde solange weiterarbeiten, bis die ganze Wahrheit ans Tageslicht komme. Angehörige erklärten bei der öffentlichen Ehrung im Juli in Ziburu, dass sie davon ausgehen, dass Jon entführt, gefoltert und ermordet wurde.

Video: Jon Anza Ehrung in Ziburu, 24.07.2010

14.08.2010 | Ingo Niebel, Junge Welt vom 13. 8.2010

Frankreich: Baskische Gefangene kämpfen gegen entwürdigende Haftbedingungen

Nach elf Tagen im Hunger- und Durststreik befinden sich die beiden politischen baskischen Gefangenen, Jabier Abaunza und Ander Geresta, in Lebensgefahr. Aufgrund des Flüssigkeitsverlustes droht ein Ausfall der Nieren. Die Insassen des französischen Gefängnisses Moulins, die wegen ihrer Mitgliedschaft in der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) lange Haftstrafen absitzen müssen, seien akut „geschwächt, aber guten Mutes«. So stellte sich die Lage nach Aussagen von Xantiana Kaxenau am Donnerstag dar. Es gebe Hoffnung, so die Anwältin der beiden Hungerstreikenden gegenüber der linken baskischen Tageszeitung Gara. Die Gefängnisleitung habe nunmehr erklärt, sie werde »die Gefangenen mit Respekt und Würde behandeln«. Ihre beiden Mandaten seien bereit, ihre verzweifelte Aktion zu beenden, »wenn der Gefängnisdirektor Wort hält«.

Mit ihrer extremen Form des Protestes kämpfen die beiden Basken für die Achtung ihrer Menschenwürde, nachdem die Gefängnisverwaltung im Juli eine schikanöse Durchsuchungsmethode praktiziert hatte. Vor und nach den Besuchen der Familienangehörigen sollten sich Abaunza und Geresta nackt ausziehen und sich durchsuchen lassen. Am 31. Juli entschieden sie sich, gegen diese Art der Behandlung zu protestieren. Zwei baskische Mitgefangene, die von der Maßnahme ebenfalls betroffen sind, protestierten auch, konnten sich aber aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands nicht beteiligen.

In Spanien versucht derweil die Regierung von Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) weiterhin, das 750 Menschen zählende Kollektiv der baskischen Gefangenen (EPPK) zu spalten. Im Juli ließ sie jene Baskinnen und Basken, die sich öffentlich von der ETA distanziert haben, in heimatnahe Haftanstalten verlegen und bedachte sie mit Vergünstigungen. Unter den etwa 20 Dissidenten befinden sich einige ehemalige Anführer der ETA. Sie wurden aus dem EPPK ausgeschlossen.

Nach spanischem Recht …

Baskenland: Proteste gegen Verbote auf der Fiesta in Bilbao
Auf Druck der rechten spanischen Partei Partido Popular hat der Bürgermeister von Bilbao Teile der sog. “Txoznas” während der gerade begonnen größten Fiesta des Baskenlands “Aste Nagusia” verboten. Das Anbringen oder Tragen der verbotenen Bilder von baskischen Gefangenen soll stärker als im vergangenen Jahr geahndet werden. Verschiedenen Karnevalsvereinigungen (Konpartsak) von Bilbao wird vorgeworfen, mit Gefangenenbildern an den Ständen die ETA zu unterstützen.

Protest gegen das faktische Verbot der Toznas durch Nicht-Genehmigung von Ständen verschiedener Karnevalsvereinigungen kommt nicht nur von der abertzalen Linken. Die Vereinigung der Konpartsak von Bilbao will gemeinsam mit verschiedenen Aktionen des zivilen Ungehorsams für das Recht auf freie Meinungsäußerung und gegen die Kommerzialisierung während der Fiestawoche eintreten. Sie rufen unter anderem alle dazu auf, als sichbares Zeichen des Protestes ein schwarzes Tuch zu tragen, was bereits bei der traditionellen Eröffnung (Fotos: hier) über Tausend Menschen befolgten.

Die Kompartsak haben im Baskenland eine lange Tradition und bestehen aus Zusammenschlüssen von BewohnerInnen der Stadtteile oder auch aus Vereinigungen nach kulturellen, sozialen oder politischen Aspekten. Sie sind nicht nur beim Auf- und beim Abbau der Fiestas beteiligt, sonder prägen die Fiestas massgeblich bei der kulturellen, sportiven und gastronomischen Organisation.

Mit einem Verbot der Txoznas soll nicht nur das Zeigen von Gefangenenbildern unterbunden werden, sondern auch die Einnahmequellen progressiver Vereinigungen des Baskenlands getroffen werden. Gerade in den Txoznas waren neben den Ständen für die baskischen Gefangenen, der baskischen Jugendbewegung oder der unabhängigen baskischen Schulen unter anderem Stände der baskischen Frauenbewegung, der baskischen Schwulen- und Lesbenbewegung, Initiativen gegen Umstrukturierung oder der internationalen Völkerverständigung vertreten.

Als Ausdruck der Verbote bauen die Kompartsak gemeinsam auch die “verbotenen” Stände auf …

Berlin-Neukölln, 21. August.
Weisestrassen-Stadtteilfest solidarisch mit baskischen Gefangenenkollektiv.

Auf dem unabhängigen Stadtteil- Strassenfest gegen Umstrukturierung am 21. August 2010 in Berlin-Neukölln war die Solidarität mit den baskischen Gefangenen deutlich sichtbar. Bei herrlichem Sommerwetter tummelten sich viel mehr BesucherInnen auf dem Fest in der Weisestrasse als erhofft.

Die Stadtteilversammlung, in der verschiedene Kneipen, Läden, Initiativen, wie auch KünstlerInnen aus Neukölln vertreten sind, hatte entschieden, Einahmen vom Strassenfest an das baskische Kollektiv der Gefangenen EPPK zu spenden. Neben den Gefangenen-Fahnen und Baskenland-Fahnen an Grill- und Bierstand gab es auch Plakate mit Informationen zu den 750 baskischen Gefangenen. An einem Haus war ein Transparent zum Gedenken an Jon Anza befestigt, auf Plakaten war zu lesen: “Jon Anza wurde ermordet”.

Der Stand von EH Lagunak informierte über die Situation im Baskenland, in einer Rede auf der Bühne bedankte sich der Vertreter von EH Lagunak für die Solidarität aus dem Stadtteil. (Flyer & Plakate zum Ausdrucken, siehe: Mediathek/Material)

Im Baskenland, so der Vertreter von EH Lagunak, müssen die Stadtteile sich derzeit massiv gegen die Umstrukturierung und Repression wehren. Die Polizei gehe im Baskenland massiv gegen das Plakatieren von Bildern der Gefangenen vor, und sogar auf Strassenfesten seien Aufkleber von Gefangenen auf T-Shirts verboten. Aus diesem Grund wurden an verschiedenen Ständen auf dem Strassenfest in Neukölln Aufkleber der 750 Gefangenen an die BesucherInnen verteilt, die diese sich auf ihre T-Shirts klebten.


Fotos vom Strassenfest:

Euskal Herria pixeled with Mouse Pointers

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