15.03.2010 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 15.3.2010)

ETA-Mitglied Jon Anza lag zehn Monate lang unentdeckt im Leichenschauhaus

Für die Familie von Jon Anza hatte das elf Monate lange Bangen um seinen Verbleib am Freitag ein trauriges Ende: Die Polizei bestätigte, daß es sich bei einem unbekannten Toten, der seit Mai 2009 im Leichenschauhaus von Toulouse gelegen hatte, um das verschwundene Mitglied der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) gehandelt habe.

Bisher ist nur klar: Anza bestieg am 18. April 2009 in Baiona (Bayonne) den Zug nach Toulouse. Am 29. April fand ihn die Polizei bewußtlos in einem Park der südfranzösischen Stadt und ließ ihn in ein Krankenhaus bringen. Dort verstarb er am 11. Mai, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Da er angeblich keine Ausweispapiere mit sich getragen hatte, wurde der Tote nicht identifiziert. Mitte Mai 2009 stellte die Familie eine Vermißtenanzeige. Am 19. Mai 2009 erklärte die ETA, daß ihr Mitglied in Toulouse Geld übergeben sollte, aber nicht zu dem Treffen erschienen sei. Nun soll der Zufall zur Aufklärung beigetragen haben. Ein Mitarbeiter des Leichenschauhauses will vor ein …

14.03.2010 | Kattalin Madariaga
Kattalin Madariaga - Sinn Fein Ard Fheis in Dublin 2010

Kattalin Madariaga war bis zum Verbot ihrer Partei EAE-ANV Abgeordnete des Parlaments der Autonomen Baskischen Gemeinschaft. Als Vertreterin der baskischen abertzalen Linken hielt sie Anfang März auf dem Sinn Féin Ard Fheis (Parteitag) in Dublin eine Rede vor den Delegierten:

Zuerst möchte ich im Namen der baskischen patriotischen Linken dem Ard Chomhairle und Sinn Féin aufrichtig danken, dass ich die Gelegenheit bekomme, auf diesem Ard Fheis 2010 zu sprechen. Ich bringe besondere Grüße von all den Genossinnen und Genossen, die in den letzten Jahren Irland besucht haben und sich derzeit in spanischen Gefängnissen befinden. Stellvertretend für sie: Agur bero bat!! Beir Bua comrades!!

Ich habe ausserdem die Botschaft eines Mannes bei mir, den Ihr hier sehr gut kennt und der derzeit ebenfalls in einem spanischen Gefängnis sitzt, eine Botschaft von Arnaldo Otegi:

“A chara, lieber Gerry (beide), Martin, Bairbre, Alec, Aengus, Sheanna, Catriona und alle …

Video aktuell



11.03.10 Vor dem Sitz der zweitgrößten Bank Spaniens, der BBVA, wurden acht Personen festgenommen. Sie hatten unter dem Motto “Ohne Skrupel, alles für das Geld protestiert”.

Verhaftung in Lissabon 12.03.2010

Die portugiesische Polizei hat heute am Flughafen von Lissabon ein mutmaßliches Eta-Mitglied verhaftet. Bei ihm soll es sich um Andoni Zengotitabengoa handeln, der nach der Entdeckung von 1,5 Tonnen Sprengstoff im Februar geflohen war.

Leiche von Jon Anza gefunden 12.03.2010

Wie verschiedene spanische und französische Medien berichten, wurde der Körper von Jon Anza in einem Leichenschauhaus in Toulouse entdeckt.
Nach Angaben der Polizei soll Anza am 29. April 2009 in Toulouse einen Herzinfarkt erlitten haben und in ein Krankenhaus eingeliefert worden sein. Dort soll er 13 Tage später verstorben sein. Da “niemand” nach ihm gesucht habe, konnte sein Leiche bis heute nicht identifiziert werden.
Allerdings sind diese Meldungen recht widersprüchlich, so wird zum einen berichtet Anza wurde in einem Park entdeckt, zum anderen soll er in einer Bankfiliale einen Herzinfarkt erlitten haben. Unklar ist ebenso, wieso er erst am 29. April ohne Ausweis gefunden wurde, obwohl er bereits seit dem 18. April als vermisst gilt. Merkwürdig ist ebenfalls, dass niemand nach ihm gesucht haben soll, obwohl er selbst auf der Internetseite der französischen Polizei von derzeit 61 vermissten Personen unter den ersten acht erscheint.

Siehe auch unseren Bericht vom Juli 2009: Non dago Jon Anza? Wo ist Jon Anza? Was habt Ihr mit ihm gemacht?

10.03.2010 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 9.3.2010)

Botschaft des inhaftierten Batasuna-Spechers Otegi an Sinn-Féin-Kongreß in Dublin

Die irische Sinn Féin unterstützt weiterhin die Friedensinitiative der verbotenen baskischen Linkspartei Batasuna (Einheit). Am letzten Tag ihrer Bundesversammlung, der Ard Fheis, in Dublin wurde am Samstag ein Brief des inhaftierten Batasuna-Sprechers Arnaldo Otegi verlesen. Darin setzt sich der Politiker erneut für eine Verhandlungslösung des politischen Konflikts zwischen dem Baskenland, Madrid und Paris ein.

Für den Batasuna-Sprecher steht fest: »Es gibt keine Alternative zum demokratischen Prozeß als Lösung des Konflikts«. Dieser Prozeß bedingt, nach Ansicht von Batasuna, ihre Wiederzulassung als Partei. Madrid verlangt aber, daß sie die Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) verurteilt und deren Ende herbeiführt. In seiner Botschaft unterstrich Otegi erneut den Willen der baskischen Linken, einen demokratischen Prozeß unter Ausschluß jeglicher Gewalt mit politischen Mittel zu initiieren, der zu einem politischen und sozialen Wechsel im Baskenland führen soll. Ohne es ausdrücklich hervorzuheben, bedeutet das auch eine Ablehnung des bewaffneten Kampfes der ETA.

Zur friedlichen Lösung sollen jene Methoden führen, so Otegi weiter, die in Nordirland erfolgreich waren. »Der Erfolg des …

05.03.2010 | Ingo Niebel (Junge Welt vom 4.3.2010)

Spanisches Gericht verurteilt baskischen Linkspolitiker und fälscht die südafrikanische Geschichte

Arnaldo Otegi, der Sprecher der verbotenen baskischen Linkspartei Batasuna (Einheit), wurde am Dienstag wegen »Verherrlichung des Terrorismus« zur Höchststrafe von zwei Jahren Haft und dem Verlust aller bürgerlichen Ehrenrechte für weitere 16 Jahren verurteilt. Vier weitere Angeklagte erhielten Freisprüche. Das Urteil fällte die Audiencia Nacional, das spanische Sondergericht für Terror- und Drogendelikte. Die Urteilsbegründung weist vergleichbare Fehler auf wie auch das Verfahren an sich.

Während einer Veranstaltung zu Ehren des baskischen politischen Gefangenen José María Sagarduy, »Gatza«, verglich der Linkspolitiker 2005 die Situation des Mitglieds der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatuna (ETA, Baskenland und Freiheit) mit der des südafrikanischen Freiheitskämpfers und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. Der Südafrikaner saß 27 Jahre hinter Gittern, bei dem Basken sind es mittlerweile drei Jahrzehnte. Otegi zeigte sich damals zuversichtlich, daß Sagarduy wie Mandela in Folge eines »politischen Prozesses« freikäme. »Diesen verdanken wir den politischen Gefangenen, Flüchtlingen und den vielen Genossen, die wir im Kampf gelassen haben – und wir werden es schaffen«. Dieser Satz führte zu seiner Verurteilung.

Richterin Angela Murillo sieht darin …

"Frieden am Horizont ..." 04.03.2010

… die abertzale Linke bringt Bewegung in den Konflikt zwischen Spanien und dem Baskenland.

Das Münchner Radio Lora diskutiert mit Uschi Grandel die Initiative der baskischen linken Unabhängigkeitsbewegung (19.2.2010, 14 min):


Download auch unter freie-radios.net (Interview ohne Anmoderation)

Lange wurde gerätselt, wie sich die baskische Linke nach den neuen Vorschlägen zu einer friedlichen Konfliktlösung aufstellt. Die Basis der verbotenen Partei Batasuna (Einheit) hatte die Vorschläge von Alsasua debattiert und abgesegnet. Die Partei machte damit kürzlich einen weit reichenden Schritt. Unilateral verpflichtete sie sich, auf jede Art der Gewalt zu verzichten. Das Ziel eines unabhängigen, sozialistischen Baskenlandes soll mit ausschließlich friedlichen, demokratischen Mitteln verfolgt werden. Die gesamte Unabhängigkeitsbewegung müsse die Bedingungen schaffen, dass sich die Initiativen der Zivilgesellschaft entfalten könnten, wurde deutlich an die ETA appelliert. Deren angebliche erneute “Enthauptung” darf getrost als neue Nebelkerze aus Madrid bewertet werden.

Independentistak – Netzwerk einer breiten und pluralistischen Unabhängigkeitsbewegung

Genau diese Zivilgesellschaft formiert sich nun im Baskenland. In spanischen Medien wurde lang und breit über eine gemeinsame Wahlplattform baskische linker pro-Unabhängigkeitsparteien spekuliert. Die Tatsache, dass die sozialdemokratische Baskische Solidaritätspartei (EA) kürzlich den neuen Batasuna-Vorstoß zur friedlichen Beilegung des Konflikts mit Spanien und Frankreich begrüßte, lieferte die entsprechende Nahrung dafür.

Am Samstag machten 139 Basken aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum deutlich, dass auf Zivilgesellschaft …

Iñaki de Juana soll ausgeliefert werden 03.03.2010

Ein Belfaster Gericht hat in erster Instanz dem Antrag Spaniens zur Auslieferung von Iñaki de Juana wegen “Verherrlichung des Terrorismus” zugestimmt. De Juana war 1987 zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt worden. Wegen dreier Briefe, die in GARA veröffentlicht wurden, wurde er zu weiteren 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seinem Hungerstreik 2006, bei dem er in einem Madrider Krankenhaus zwangsernährt wurde, wurde seine Zusatzstrafe auf 3 Jahre reduziert. Im August 2008 wurde er nach 21 Jahren aus der Haft entlassen. Bei seiner “Entlassungsfeier” in der Altstadt von Donostia (bei der Iñaki de Juana nicht anwesend war), wurde ein Brief vorgelesen, der angeblich von ihm sein sollte. Da der Brief mit dem baskischen Ausdruck “Aurerra Bolie” (“den Ball vorwärts spielen” oder auch “Vorwärts mit dem Kampf”) endete, ist Iñaki de Juana wegen “Verherrlichung des Terrorismus” angeklagt. Für einen Prozess fehlen der spanischen Justiz praktisch alle Beweise. Denn weder der Brief noch die Person, die den Brief vorgelesen hatte, konnte bislang ausfindig gemacht werden. Das hindert sie jedoch nicht, die Auslieferung von Iñaki de Juana, den die spanischen Mainstreammedien mit besonderem Hass verfolgen, mit Vehemenz zu betreiben. …

02.03.2010 | Ingo Niebel

Madrid verkündet Festnahme der ETA-Spitze und widerspricht sich

Zum fünften Mal in zwei Jahren will die spanische und französische Polizei die Spitze der Untergrundorganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit) festgenommen haben. Am Sonntagmorgen stürmten französische Elitepolizisten ein Landhaus im Küstendorf Cahan in der Normandie. Drei Personen wurden festgenommen. Madrid hängte die Polizeioperation ziemlich hoch, um andere wichtige politische Ereignisse in den Hintergrund treten zu lassen. Keine 24 Stunden später wurden die ersten Widersprüche sichtbar.

Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba berichtete, daß seiner Guardia Civil in Kooperation mit dem französischen Inlandsgeheimdienst DCRI die Festnahme des “Militärchefs” der ETA gelungen sei. Diese Rolle schreibt Madrid dem 45jährigen Ibon Gojeaskoetxea zu – und widerspricht sich dabei. Erst vor einer Woche meldete die regierungsnahe Tagsezeitung El País, daß ein Baske namens Mikel Carrera diese Position innehabe. Im Sommer 2009 ließen Polizeikreise durchsickern, daß sie Gojeaskoetxea und seinen Bruder Eneko zur Führungsspitze der ETA zählen. Seitdem war klar, daß Madrid ihre Verhaftung entsprechend hoch hängen würde. Der jetzigen Aktion ging eine längere Observation voraus, hieß es in Medienberichten.

Der zweite Festgenommene, …