Kattalin Madariaga war bis zum Verbot ihrer Partei EAE-ANV Abgeordnete des Parlaments der Autonomen Baskischen Gemeinschaft. Als Vertreterin der baskischen abertzalen Linken hielt sie Anfang März auf dem Sinn Féin Ard Fheis (Parteitag) in Dublin eine Rede vor den Delegierten:
Zuerst möchte ich im Namen der baskischen patriotischen Linken dem Ard Chomhairle und Sinn Féin aufrichtig danken, dass ich die Gelegenheit bekomme, auf diesem Ard Fheis 2010 zu sprechen. Ich bringe besondere Grüße von all den Genossinnen und Genossen, die in den letzten Jahren Irland besucht haben und sich derzeit in spanischen Gefängnissen befinden. Stellvertretend für sie: Agur bero bat!! Beir Bua comrades!!
Ich habe ausserdem die Botschaft eines Mannes bei mir, den Ihr hier sehr gut kennt und der derzeit ebenfalls in einem spanischen Gefängnis sitzt, eine Botschaft von Arnaldo Otegi:
“A chara, lieber Gerry (beide), Martin, Bairbre, Alec, Aengus, Sheanna, Catriona und alle Mitglieder des Ard Chomhairle und Delegierte agur bero bat aus den Gefängnissen des spanischen Empires.
Wie Ihr wisst, hat die abertzale Linke während der letzten Monate die Strategie diskutiert und definiert, die wir benötigen, um am besten unser Ziel, die nationale Unabhängigkeit, zu erreichen. Die Strategie nutzt die derzeitigen Möglichkeiten und wird unsere abertzale, patriotische Agenda weiterbringen. Für diese Diskussion, die die abertzale Linke in ganz Euskal Herria (Baskenland) intensiv führte, waren die Lehren aus dem irischen Friedensprozess sehr wertvoll. Die Einsicht, dass Veränderungen durch einen demokratischen Prozess erfolgen müssen, eine Verpflichtung auf ausschliesslich politische und demokratische Methoden, sowie die Notwendigkeit eines Verhandlungsprozesses und Dialogs aller politischen Kräfte unter Einhaltung der Mitchell-Prinzipien stammen aus dem erfolgreichen Prozess, den irische Republikaner die letzten 16 Jahre und länger verfolgen. Das erfolgreich geschlossene Hillsborough-Abkommen zeigt aufs Neue, dass der Prozess funktioniert.
Die Antwort der spanischen Regierung auf die Diskussion und die Initiative der abertzalen Linken war wie immer Unterdrückung und Gewalt. In Wahrheit zeigt dies die politische Schwäche der Positionen der spanischen Regierung. Es zeigt, dass die spanische Regierung Angst vor unseren politischen Standpunkten und unseren politischen Vorschlägen hat. Gegen unsere Initiative kann niemand politisch argumentieren. Niemand kann sagen, sie sei unsinnig oder konträr zu internationalen Rahmenbedingungen. Die Regierung hat Angst vor einem demokratischen Szenario, in dem die Mehrheit der Menschen ihre Zukunft demokratisch entscheiden kann. Sie benutzt als Argument die Gewalt, weil sie nicht die Gewalt des Arguments hat.
Aber wir sind fest entschlossen, eine echte Möglichkeit zu finden, um für die baskische Bevölkerung eine Gegenwart und eine andere Zukunft zu schaffen. Es gibt keine vernünftige Alternative zum demokratischen Prozess, um den Konflikt zu lösen. Ich möchte Euch unsere Entschlossenheit übermitteln, diesen Konflikt durch einen demokratischen Prozess und ausschliesslich politische und demokratische Methoden, sowie durch politischen Dialog und durch Verhandlungen der Parteien zu überwinden. Die Lösung des Konflikts aus einer demokratischen Perspektive ist nicht nur wünschenwert, sondern auch machbar. Dafür treten wir ein und wir werden eine wirksame nationale Strategie verfolgen, um dies zu ermöglichen.
Deshalb möchte ich an erster Stelle an breite Kreise der abertzalen Bevölkerung in unserem Land appellieren, sich zu vereinigen und Stärke zu zeigen, um den demokratischen Prozess voran zu bringen. Die Internationale Gemeinschaft rufe ich auf, uns beim Aufbau eines friedlichen, fairen, stabilen und dauerhaften demokratischen Szenarios in unserem Land zu helfen. Wir wissen, dass der Tag kommen wird, die patriotische Linke zählt auf die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung, um ein linkes Baskenland in Europa aufzubauen. Wer hat Angst vor dem Willen der baskischen Bevölkerung? Wir nicht!
Ausserdem möchte ich Euch viel Glück auf Euerem Weg zu einer vereinigten, gälischen, demokratischen, irischen Republik wünschen. Ihr könnt auf Euerer Reise auf unsere uneingeschränkte Unterstützung zählen.” Arnaldo Otegi, aus einem Gefängnis des spanischen Empires
Genossinnen und Genossen, ich möchte mit den Worten des indischen Patrioten Pandi Nehru schliessen: “Vor vielen Jahren hatten wir ein Rendevouz mit dem Schicksal, und nun kommt die Zeit, dass wir unser Versprechen einlösen, nicht vollständig oder umfangreich, aber sehr substanziell. Ein Moment kommt, der selten in der Geschichte ist, in dem wir aus dem Alten zu Neuem übergehen, wenn ein Zeitalter endet und wenn die Seele einer Nation, lang unterdrückt, ihren Ausdruck findet.”
Weitere Eindrücke vom Sinn Féin Ard Fheis 2010 in Dublin (in deutscher und englischer Sprache): siehe Info Nordirland


