Spaniens Innenminister toleriert Provokation am Jahrestag der Zerstörung Guernicas
Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Naziterrorist Manfred Roeder soll am heutigen Montag, und damit genau am Jahrestag der Zerstörung der Stadt Guernica durch die deutsche »Legion Condor«, im baskischen Donostia (San Sebastián) einen Vortrag unter dem Titel »Die Masseneinwanderung und die Zukunft: Eine Lösung« halten. Nicht nur das Datum, sondern auch die Anspielung auf die »Endlösung« im Titel sind kein Zufall, denn Veranstalter der Vorträge, zu denen der 1982 wegen Anschlägen auf Asylbewerberheime zu 13 Jahren Haft verurteilte Roeder auch nach Madrid und Barcelona eingeladen wurde, sind Spaniens Hardcore-Faschisten um Pedro Varela und seinen Buchladen »Librería Europea«. Während Madrids Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba ansonsten keine Möglichkeit ungenutzt läßt, Veranstaltungen der linken baskischen Unabhängigkeitsbewegung zu verbieten, zeigt er sich gegenüber spanischen und deutschen Faschisten ausgesprochen tolerant. Auch das sozialdemokratisch geführte Innenministerium der Autonomen Baskischen Gemeinschaft hat sich damit begnügt, das betreffende Hotel zu »bitten«, den Veranstaltern keinen Raum zu vermieten, wie die linke baskische Tageszeitung Gara in ihrer Samstagsausgabe berichtete.
Während Großbritannien 2007 Roeder gar nicht erst einreisen ließ, durfte der heute 81jährige bereits 2008 in Spanien offen auftreten. Diese Toleranz gegenüber den Faschisten entspricht dem politischen Mainstream. Vergangene Woche huldigte König Juan Carlos I. gemeinsam mit der politischen Elite des Landes des verblichenen Expräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Samaranch, einen bekennenden Anhänger des faschistischen Diktators Francisco Franco. Letzterem verdankt der Monarch selbst seinen Posten als Staatsoberhaupt. »Mit ihrer Geschichtslosigkeit setzte die spanische Sozialdemokratie den in der Franco-Zeit erzwungenen Gedächtnisverlust des Volkes fort«, urteilt deshalb der deutsche Spanien-Experte Walther L. Bernecker.
Am 26. April 1937 hatten deutsche Bomberpiloten die Stadt Guernica (Gernika), die als Symbol der baskischen Freiheit gilt, angegriffen und vollständig zerstört. Mit diesem Kriegsverbrechen unterstützte die Hitler-Wehrmacht Putschistengeneral Francisco Franco im Kampf gegen die Spanische Republik.

