29.01.2016 | Baskinfo, auf Indymedia Linksunten

Wie es sich gehört sind die Hausbesetzer/innen im Baskenland in Bewegung. Nach der definitiven Räumung des Kortxoenea-Zentrums in Donostia gibt es auch aus vier anderen Orten Nachrichten, die jeweils im Zusammenhang mit dem politischen Umfeld der jeweiligen Orte stehen.

In Tolosa (Gipuzkoa) zum Beispiel gehen die Aktionen hin und her. Am 23. Dezember 2015 wurde das Ezpala Haus besetzt, am 13. Januar wurde es von der Polizei geräumt, ohne dass der Räumungsbefehl vorgelegt worden wäre. Daraufhin wurde eine Demo organisiert, die sofort eine neues Haus besetzte, um dort einen alternativen Jugendtreff einzurichten. Die dortige Bewegung scheint also stark genug, schnell und flexibel un reagieren.

In Erandio, einem Industrie-Vorort von Bilbo, deutet alles darauf hin, dass ein Besetzungszyklus geschlossen wird. Vor vier Jahren hatte die Gazte-Asanblada (Jugend-Versammlung) eine alte leer stehende Fabrik besetzt, in der seither regelmäßig Konzerte stattfinden. Das Gebäude ist riesig, aber wegen seiner Größe nicht besonders praktisch für kleinere Aktivitäten, vor allem nicht im Winter, weil nicht geheizt werden kann. Mit der Begründung, die Sicherheit im baufälligen Haus sei nicht gewährleistet will die Stadtverwaltung das Haus nun räumen lassen. Dazu kommen wiederholte Klagen von direkten Anwohnerinnen, die über die Konzerte wenig erfreut sind. Demnächst könnte also die Polizei anrücken.

Genau das ist momentan in Rekalde, einem Stadtteil von Bilbo, nicht zu erwarten. Rekalde war Standort des ehemaligen Kukutza Sozialzentrums, das durch seine Räumung von drei Jahren europaweit bekannt wurde. Vor einem halben Jahr wurde erneut eine alte Fabrik besetzt, in diesem Fall von jungen Frauen, die dort ein feministisches Projekt aufzogen. Bis Dezember gab es Alarm, weil eine umgehende Räumung befürchtet wurde, nun ist es stiller geworden, eine unmittelbare Räumungsgefahr besteht aktuell nicht. Dafür finden regelmäßig Aktivitäten statt.

Das 7Katu-Gaztetxe (7-Katzen-Squad) in der Altstadt von Bilbo feiert unterdessen in diesen Tagen mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen sein 9-jähriges Bestehen. Viermal war es geräumt worden auf Geheiß der Stadtverwaltung, denn die Eigentümer-Gemeinschaft kann sich nicht einigen. Doch wurde es jeweils schnell wieder besetzt, seit vier oder fünf Jahren ist nun Ruhe. In einem Dialog mit den Nachbar/innen wurden Absprachen ausgehandelt über die Häufigkeit von Veranstaltungen etc. Das gab dem Projekt die nötige Grundlage zum Weiterbetand. Längst ist eine neue Generation von Jugendlichen zu Gange, das Haus ist zu einer Referenz nicht nur für die jüngere Generation geworden , sondern für die Kulturszene in Bilbo insgesamt.

In Sestao feiert das Txirbilenea im April seinen dritten Jahrestag, dort wurden zwei Etagen des Verwaltungsgebäudes einer Stahlfabrik besetzt. In Verhandlungen mit dem Bürgermeister wurde eine Duldung erzielt, sodass hier nie von Räumung die Rede war.

In Pamplona (baskisch: Iruñea) hat die Gazte-Asanblada bei einer Pressekonferenz vor dem im November besetzten Haus bekannt gegeben, dass sie einen Vorschlag der linken Stadtverwaltung akzeptiert hat und das sogenannte Chalet de Caparroso am Fluss zum neuen Gaztetxe wird. Das Gebäude in der Altstadt war aus einer Demonstration heraus besetzt worden, es gehört der Regional-Regierung, die weder ein Gaztetxe haben wollte und schon gar nicht in der Altstadt. Gleich danach begannen Repressalien, es gab Räumungsdrohungen, die Atmosfäre wurde über Falschmeldungen in den Medien vergiftet. Von Beginn an hatte sich die Asambalda dialogbereit gezeigt, hatte aber auf einen vernünftigen und brauchbaren Standort für ein Gaztetxe bestanden. „Das Objekt in der Altstadt war nie das Ziel an sich, sondern nur ein Werkzeug, um unser Projekt zu realisieren“, heißt es im verlesenen Text. Dass die Stadtverwaltung des linken Bürgermeisters eine Alternative angeboten hat, sei keine Konzession, sondern dem Druck der Mobilisierungen zu verdanken. Besetzung wurde als legitimer und nützlicher Weg bezeichnet, selbstverwaltete Projekte durchzuführen. Bis kurz vor dem Vorschlag des Bürgermeisters hatte es Drohungen gegeben, ein Notar hatte versucht, Besetzer/innen zu identifizieren und mit Anzeigen gedroht. Einmal mehr machen die Vorgänge in Iruña deutlich, dass sich auch linksliberale Stadtverwaltungen schwer tun mit den berechtigten Forderungen der jüngeren Generation nach selbstorganisierten nicht-kommerziellen Treffpunkten. Nach der Einigung dürfte nun ausreichend Ruhe einkehren im Projekt, sich auf die Einrichtung des neuen Hauses und die kulturelle Arbeit zu konzentrieren.

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