Fermin Muguruza Newroz 2013

Fermin Muguruza ist ein baskischer Musiker und Komponist. Er ist Mitbegründer der Ska-Punk-Band Kortatu, die in den 1980er Jahren aktiv war, und Negu Gorriak, einer anderen bekannten baskischen Band. Am 21. März 2013 trat er auf der Newroz-Feier in Diyarbakir auf. Am 29.4.2013 ist er in Bochum, am 1.5.2013 in Berlin (s. Termine).

Fermin Muguruza schrieb 1999 den bekannten Song „Newroz“. Wir sprachen mit ihm wenige Tage vor seiner Ankunft in Diyarbakir.

Was bedeutet es für dich, zu Newroz in Diyarbakir zu sein?

Für mich ist die diesjährige Tournee sehr wichtig. Ich bin sechs Jahre nicht auf Tour gewesen und werde jetzt bei den Newroz-Feiern in Diyarbakir, Amed, in Kurdistan die neue Tour beginnen. Nachdem ich jahrelang den Song „Newroz“ gesungen habe (…) ist es für mich emotional sehr bedeutsam, schließlich vor den Menschen, denen ich diesen Song gewidmet habe, in ihrer Stadt, in Diyarbakir, an genau diesem Tag auftreten zu können. Als Baske denke ich, dass es etwas Aussagekräftiges, ein Ausdruck von Solidarität ist. (…)

Du hast seit vielen Jahren eine enge Beziehung zu den KurdInnen. Wie hat es angefangen?

Seit vielen Jahren habe ich enge Beziehungen zum kurdischen Volk, aber ich bin noch nie in Kurdistan gewesen. Viele KurdInnen sind ins Baskenland gekommen, aus London, Berlin, und haben meine Konzerte besucht, insbesondere nachdem ich den Song „Neworz“ geschrieben hatte. (…) Das war zu einer Zeit, als noch viel über das Massaker an den Kurden von Halabja, das später den Namen „kurdisches Guernika“ erhielt, gesprochen wurde. (…) Die baskische Stadt Guernika wurde wie Halabja bombadiert. Guernika ist wie viele Städte in Kurdistan ein Symbol des Widerstands gegen den Faschismus. Ich erinnere mich, dass ich den Song mit der Hilfe von kurdischen Freunden, die damals in Baiona lebten und dort einen Kebap-Laden hatten, geschrieben habe, sie haben einige Worte auf Kurdisch gesprochen. (…) Wenn ich diesen Song spielte, war es immer sehr emotional, weil die kurdischen Konzertbesucher dann ihre Fahnen rausholten, genau wie die baskischen, von denen auch viele in der Diaspora leben. Über die Musik entstand so einer sehr schöne Beziehung zwischen uns.

Ein baskischer Journalist und ein Freund vermittelten mir den Kontakt zu einer Mitarbeiterin der Kultur-Abteilung der Stadtverwaltung von Diyarbakir, die sich für baskische Musik interessierte und wissen wollte, wie wir unabhängige Musik produzieren. Wir führte ein langes, angeregtes Gespräch über die Bedeutung von Musik auch als Symbol einer Widerstandskultur. Wir redeten über Sprache, die für uns, in den 60ger Jahren Geborenen, sehr wichtig ist. Wir leben in Industrieregionen, in denen die [baskische] Sprache wegen der Repression verschwunden ist. Meine Eltern sprachen Baskisch, wir hingegen nicht. Wir unterhielten uns über Rock und die Anfänge von baskischen Rockbands, wie die meiner Band Kortatu, die anfangs auf Spanisch gesungen hat, weil wir, wie schon gesagt, kein Baskisch sprechen konnten, das haben wir erst später gelernt. Die Generation meiner Kinder spricht nun Baskisch und es ist sehr interessant zu erleben, dass sich meine Kinder mit ihren Großeltern – meinen Eltern – auf Baskisch unterhalten können, während ich das nicht kann. Es war sehr schwer für uns, in einer Sprache, die wir als Kinder nicht beherrschten, eine Beziehung zu unseren Eltern entwickeln. Deswegen sind unsere Kinder gewissermaßen auch eine Verbindung zwischen uns und unseren Eltern.

Wir sprachen über all dies, über Hip Hop, die Musik der Jungen, die sich auch in Kurdistan verbreitet hat. Wir blieben in Kontakt und dieses Jahr bekam ich die Einladung, nach Kurdistan zu kommen. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich meine internationale Tournee in Diyarbakir eröffne. Ich bin davon überzeugt, dass es eine entscheidende Zeit für die KurdInnen ist. Kurdistan war Anfangs des Jahres mit der Ermordung der drei kurdischen Politikerinnen in Paris und mit den stattfindenden Gesprächen in den Schlagzeilen. Es ist also eine entscheidende Zeit für die KurdInnen, aber auch für uns Basken, weil wir einen Prozess durchlaufen, der hoffentlich zum Frieden führen wird. Und wir baskischen Musiker werden in dieser für unsere Völker wichtigen Zeit in Kurdistan sein. (…)

Quelle: ANF, 21.03.2013, ISKU

Konzerte:
29. April 2013, Bochum, Bahnhof Langendreer
1. Mai 2013 , Berlin, Kreuzberg Barrio Antifascista